Samstag, 15.04.2017

Fun Facts Chile

1) Fangen wir mit einem eher unappetitlicheren Punkt an, dann haben wir ihn hinter uns: Die Toilettensituation. Ohne vorherige Einweisung kann diese zu großer Verwirrung führen. Man geht ganz unbedacht in eine öffentliche Toilette, wie man es halt immer so macht, sucht sich eine Kabine aus, und hier schon die erste Irritation: Wir sind ja keine Riesen und die Chileninnen jetzt auch nicht solche Zwerge, aber irgendwie wurde es doch oft nicht für notwendig gehalten die Tür höher als Kinnhöhe zu machen. Eigentlich haben sie ja auch Recht, die pikanten Stellen bleiben so ja verdeckt. Beziehungsweise würden sie, wenn man die Türe verschließen könnte; dies stellt jedoch auch des Öfteren ein Problem da, nicht nur, dass man die Tür nicht abschließen kann, nein, es gibt oft überhaupt keinen Zumachmechanismus, sodass man die Türe die ganze Zeit über festhalten muss. Und das ganze klingt jetzt danach, als wären die Toiletten nur in einem schlechten Zustand, doch nein, die wurden so konzipiert, wer weiß warum…

Nunja, hat man sich nun daran gewöhnt und gemütlich gesetzt, der Schock: Kein Klopapier!!! Noch nicht mal eine Halterung dafür! Hm, was ist los? Abgesehen davon, dass Klopapier auf Campingplätzen anscheinend nicht im Preis inbegriffen ist, hängt das Papier dort, wo es vorhanden ist meist draußen im Vorraum, man muss also bereits vor dem Toilettengang wissen, wie viel man so brauchen wird, sich das dann abreißen und dann irgendwie wieder entwurschteln, nicht so einfach, wenn die andere Hand ja die Türe zuhalten muss… Und achja: Das stehlen von den papeles higiénicos ist strengstens untersagt, dieser Hinweis steht nicht sehr selten daran. Aber wo soll man dann das Klopapier für die Campingplätze herkriegen?!

So, wir sind noch nicht fertig, denn der Punkt, an den es sich schwierig war zu gewöhnen, und was jetzt wieder in Deutschland zu leichtem Zögern führt kommt jetzt: in fast allen Toiletten in Chile ist es nicht erlaubt das Toilettenpapier ins Klo zu werfen, sondern nur in den Mülleimer. Irgendwie ekelig, aber wie gesagt, man gewöhnt sich dran.

So, ihr seht, der Toilettengang kann einen Menschen ganz schön beschäftigen, doch wenden wir uns nun anderen Themen zu!

2) Die Handwerkskunst wird in Chile sehr gefördert, es gibt eigentlich kaum ein Dorf ohne einen extra eingerichteten Bereich mit kleinen Buden, wo die Menschen ihre Sachen verkaufen können, mal mehr, mal weniger authentisch. Aber trotzdem sehr erfreulich!

3) Straßenmusik scheint nicht sehr verbreitet zu sein, eigentlich wollten wir diese Marktlücke schließen, aber irgendwie kam es dann doch nicht dazu. Straßenkunst hingegen ist schon angesagt, vor allem an Ampeln treten die Künstler in der Rotphase auf und sammeln dann schnell Geld von den Autofahrern ein, bevor es wieder grün wird. Und was das für Künstler sind, solche Jongleure haben wir selten gesehen! In den Parks sieht man in den späten Nachmittagsstunden die Jugend fleißig trainieren, schön anzusehen. Beliebt ist auch, sich einfach mit Farbe dreckig zu machen und dafür Geld zu kassieren. Unsere Herzen, bzw. Geldbeutel hat dies jedoch nie öffnen können.

4) Interessant ist auch die Supermarktsituation: Sie unterscheidet sich in gewissem Maße zwischen dem Süden und dem Norden, was sich jedoch nicht unterscheidet ist, dass es einfach NIE eine gute Preisbeschilderung gibt. Sind welche vorhanden, dann seltenst am korrekten Platz, wie oft waren wir an der Kasse über plötzlich doch höhere Preise ernüchtert… Vor Allem für den Süden gilt das Prinzip: Wir haben zwar wenig Produkte, aber einen riesen Supermarkt, also stellen wir einfach riesige Mengen des gleichen Produkts hin. Im Norden gibt es eine etwas größere Produktvielfalt, doch selbst hier scheint der Lagerraum sich direkt in der Einkaufshalle zu befinden. Naja, so sieht es wenigstens auf den ersten Blick so aus, als hätte man Auswahl!

Die Größen der Produkte sind auch faszinierend, Bier wird üblicherweise in 1 l Flaschen verkauft, Wein auch gerne mal in 2 l Flaschen und was Softdrinks angeht… das sind einfach nur monströse Kanister! Nudeln hingegen gibt es nur in 400 g Packungen, was soll das?

So kleine Nudelpackungen lassen sich ja auch gerne mal klauen, daher wird Sicherheit hier groß geschrieben, die Sicherheitssiegel auf den Rucksäcken lassen jeden Dieb schon vorher das Grauen lernen!

Nun zum Obst und Gemüse: Weiter im Norden ist alles gut, man kauft Obst und Gemüse in den kleinen Fruterias und eigentlich ist nicht viel Besonderes dabei. Aber im Süden! Naja, sie haben dort halt keine Anbauflächen, aber trotzdem ist es erstaunlich, wie ekelig schimmelig das frische Zeug in den Läden so ist. Und trotzdem teuer! Da musste dann schon das ein oder andere Mal eine Vitamintablette als Ersatz herhalten. Was im Norden aber schön ist, ist dass das ältere nicht mehr so schöne Obst/Gemüse zu einem günstigeren Preis angeboten wird, hach ja, da kommen Erinnerungen an unsere 5$-Kiste auf! Das beste ist übrigens, dass Avocados immer essreif sind, wenn man sie kauft. Das ist super praktisch, da sie mit der der Zeit zu unserem täglichen Brotaufstrich geworden sind.

So, ganz fertig sind wir noch nicht, die Verpackungen sind auch lustig! Joghurt und Marmelade wird in Tüten verkauft, wahnsinnig praktisch! Apropos Tüten, die Chilenen lieben Plastiktüten, man kommt leider nicht drum rum… Und noch ein wichtiger Tipp: rechts im Regal wird’s günstiger! Oder war es links? Zumindest nicht unten!

5) Die Weihnachtsobsession! Es ging ja nun bereits auf Ostern zu, und ja, an Karfreitag hat man auch das ein oder andere Osterei erblicken können, aber nunja, Weihnachten ist hier noch total aktuell! In jedem Supermarkt, in den Fruterias, in den Häusern, den Busterminals, einfach überall gibt es die blinkende Deko. Weihnachten ist aber halt auch einfach schön…

6) Die Menschen können sich so unglaublich geduldig und ordentlich anstellen, bei den Bussen in der Stadt ist diese Rücksichtsnahme echt beeindruckend, kein großer Knäuel, wie bei uns in Deutschland. Nichts davon zu sehen ist allerdings in der Metro, hier wird gestopft und gedrängelt, interessant diese zwei Seiten!

7) Busmotoren werden nicht ausgestellt. NIE!

8) Das gute Geld: Vor Allem Argentinien hat ein Kleingeldproblem, davon gibt es einfach nicht genug, wenn man Glück hat, kann man durch das großzügige Runden an der Kasse gut sparen. Andersrum geht’s aber auch… Und hässlich sind die Scheine, zerrissen, Sachen draufgekritzelt, aber gut, sie funktionieren ja. Aber was hat es mit dem Ohr auf chilenischen Scheinen auf sich?

9) Überall gibt es Kuchen. Oder auch Kuchenes, wenn es mehrere gibt. Und trotzdem haben wir keinen probiert…

10) Wanderungen sind auf jeden Fall was für Mitdenker. Man kann nicht einfach der Beschilderung folgen, diese zeigt oftmals nicht so wirklich in welche Richtung es geht und erscheint unlogisch, wenn man von bestimmten Seiten herantritt. Manchmal läuft man dann auch auf Pfeile zu, die einen direkt wieder zurück schicken würden, sie sind für die Gegenrichtung bestimmt, können aber kurzzeitig für Verwirrung sorgen.

11) Sprachbarriere. Kaum ein Chilene, den wir getroffen haben, konnte vernünftig Englisch. Okay, wir können auch nicht so richtig gut Spanisch, aber wir haben uns immer bemüht, Konversation zu machen. Dafür überlegten wir uns gut, was zu sagen war und bekamen dann auch meistens eine Antwort, die es dann zu verstehen galt. Wenn die Gegenseite jedoch mit Castellano (so wird das Spanisch in Chile genannt) nur so um sich warf, obwohl man offensichtlich nichts verstand, konnte man auch nichts machen, als an gegebener Stelle ein "Hm." zu murmeln und im Gesicht des anderen zu lesen, ob der vielleicht was verstanden hatte. Versuche von unserer Seite mitzuteilen, dass wir nicht so gut Spanisch sprechen und ob der andere das Gesagte noch mal wiederholen könne, wurden dann wiederum nicht registriert und so manches Mal endete eine Begegnung mit einem zögerlichen "No entiendo.", verlegenem Lachen und entschuldigenden Blicken unsererseits. Zum Glück haben wir ja noch Hände und Füße, die sich auch sehr gut zur Kommunikation einsetzen lassen!

Freitag, 14.04.2017

Trickdieb abgewehrt!

Ich stand früh auf, um nicht mit den ganzen Schnapsleichen zusammen beim Frühstück zu sitzen und stopfte mich gut voll, während die Britin, mit der ich aß nur ein Müsli aß. Komisch!

Ich packte langsam alles zusammen und checkte aus, konnte aber meinen Rucksack zum Glück noch hier lassen. Ich wollte noch ein wenig rausgehen und stellte schnell fest, an Karfreitag ist nichts los. Wie leergefegt die Stadt, nur am Plaza de Armas befanden sich noch einige Menschen und die ein oder andere Tourigruppe. Hatte wenigstens der Unimarc ganz in der Nähe offen? Ich ging also in die Richtung, als plötzlich eine Frau vor mir – anscheinend mit Augen im Hinterkopf – bemerkte, dass wohl eine Taube auf mich gemacht hatte. Und tatsächlich, mein ganzer Rücken war voll mit einer gelblichen Flüssigkeit. Das musste ja eine riesige Taube gewesen sein! Und seit wann riecht das denn wie Essig und Senf? Naja, ich war etwas angeekelt und verdattert, und sehr erfreut über die Hilfsbereitschaft der Dame, die mich in eine Ecke zog, Wasser und Tücher rausholte, und mir meinen Rucksack abnehmen wollte. Hm, eigentlich sehr nett, aber meinen Rucksack, den ich schon paranoid auf dem Bauch getragen hatte, wollte ich dann doch nicht hergeben, er störte ja auch nicht beim Saubermachen. Irgendwie bestand sie weiter daraus und rupfte während sie so tat, als würde sie mich säubern immer stärker am Rucksack, und ich musste immer stärker dagegen halten, das kam mir dann doch etwas verdächtig vor. Etwas lautstärker und genervt, doch wieder mal nicht böse genug, denn in der Situation geht dann halt alles doch immer schnell und man erfasst gar nicht genau, was passiert, riss ich den Rucksack an mich, die Frau schaute einmal böse und verschwand dann um die Ecke und ließ ihre zu ihrer Touriverkleidung gehörende Karte liegen. Was sollte denn das jetzt gewesen sein? Trickdiebstahl? Mein Fleece und meine Hose waren nun völlig versifft, ich was sauer und fühlte mich nicht mehr sicher, ging also zurück zum Plaza de Armas, wo neben mehr Menschen auch die Polizei zugegen war, setzte mich in die Free WiFi-Zone und stellte mich schon darauf ein, hier den Tag zu verbringen, als plötzlich lautes Geschrei ertönte und alle Leute sich einer Richtung zuwandten, in der eine Backpackerin jemandem hinterher rannte und dann weinend und verstört stehen blieb. Da schien ein Überfall gelungen zu sein. Die Arme! Alle waren aufgeregt, ein Touri-Guide versuchte die Carabineros zu holen, die bewegten sich jedoch nicht, das Mädchen musste also selber über den ganzen Platz laufen, wurde dann aber immerhin im Auto mitgenommen, sie schienen den Dieb zu suchen. Oh man, was ist denn hier am Karfreitag los?

Ich hatte jedenfalls keine Lust mehr darauf und entschloss schon jetzt, 8,5 Stunden vor Abflug, zum Flughafen zu fahren, hier konnte man ja eh nichts machen. Im Hostel traf ich die Französin, die den Überfall auch gesehen hatte und nun auch schon früher den Bus nach Valparaíso nehmen wollte, so konnten wir zusammen die Metro nehmen, zu zweit war's definitiv angenehmer. Ich erreichte Los Héroes, nahm den Bus zum Flughafen, und das große Warten begann, hier im Flughafen, dann in diversen Flugzeugen und an weiteren Flughäfen. Unterbrochen wurde dies nur von dem unglaublich tollen Anblick, den man aus dem Flugzeug nach Start in Santiago hatte, die Anden im Sonnenuntergang, wir flogen eine Weile an dem Panorama vorbei, zogen dann gen Osten und flogen direkt am Aconcagua vorbei, der sich majestätisch aus den Bergketten erhob. In dem Augenblick wo wir die Grenze nach Argentinien überflogen, zogen sich die Wolken zu und das wunderschöne Land Chile verschwand aus dem Blickfeld. Was für eine Abschiedsvorstellung!

 

Donnerstag, 13.04.2017

Abschied

Um in Ruhe frühstücken zu können, standen wir zeitig auf und saßen pünktlich um 07:30 Uhr unten in der Küche. Juhu, der Pfannkuchenteig wurde bereits zubereitet, wir begannen vorerst mit einem leckeren Joghurt-Apfel-Müsli, gefolgt von einem Vollkorn-Käsetoast und dann etlichen Pfannkuchen, die wir mit Dulce de leche, Sirup oder auch noch mal herzhaft belegten. Sehr köstlich!

Wir verließen das Hostel dann bald, denn Chris musste um ca. 12 Uhr ihren Flug kriegen und die Anfahrt dauerte auch noch ein Stündchen. Die Metro war heute allerdings nicht mit uns. Der erste Teil klappte noch ganz gut, doch als wir in Santa Ana umsteigen mussten und dort drei Bahnen an uns vorbei ziehen ließen, weil wir schlicht und einfach nicht mehr reingepasst hatten, legten wir den restlichen Weg halt zu Fuß zurück. So weit war es zum Glück nicht mehr bis Los Héroes, wo der Flughafenbus abfuhr. Und da standen auch schon mehrere Busse in Schlange. Wir waren irgendwie noch nicht so ganz bereit, um uns zu trennen und ließen erst mal alle Leute vor und umarmten uns noch stundenlang bis der Busfahrer anzeigte, dass es in zwei Minuten losging. Okay, okay... 

Chris:

Ich winkte Viola noch so lange zu bis ich sie nicht mehr sehen konnte, armes Violchen. Ich konnte mir gut vorstellen wie blöd es war allein zu sein in Santiago, war ich ja an meinem ersten Tag auch gewesen. Aber wir würden uns ja auch bald wiedersehen! Am Flughafen hatte ich nicht so viel Zeit, um nachdenklich zu werden. Erst check-in, dann weiter zur Passkontrolle, Sicherheitskontrolle, einmal den duty free durchqueren, ein Klo suchen und schon zum gate. Zwischendurch immer wieder probieren sich in das kostenlose wlan einzuloggen. Und dann saß ich auch schon im Flugzeug am Fenster neben einem älteren Paar. Wir hatten noch mal richtig schöne Sicht auf die Anden, richtig bilderbuchmäßig! Ich konnte meinen Blick nicht abwenden, erst als nur noch Wolken unter uns zu sehen waren. Nach ein paar Stunden bekam ich leider ziemlich Bauchweh und Rückenschmerzen, die ich aber killen konnte mit einer Ibuprofen, viel Schlaf bekam ich leider nicht, vom Komfort her waren wir ja jetzt gemütliche chilenische Fernbusse gewöhnt, aber naja, mit zwei Filmen gingen die 12000 km irgendwann auch mal vorbei, einmal das Flugzeug wechseln in Rom und schon erreichten meine Füße wieder deutschen Boden in Düsseldorf, von wo aus es dann noch mit dem Zug nach Hause ging. Das war`s dann wohl mit der Reise! Es war sehr, sehr schön gewesen, danke Viola und Marco, ihr seid super Reisepartner!

Viola:

Das Gefühl, als Chris mit dem Bus wegfuhr, und ich plötzlich alleine hier stand war komisch. Was sollte ich jetzt machen? Niemand da, mit dem man Pläne schmieden konnte, oder auch einfach nur planlos schlendern konnte, was würden das nur für 2 langweilige Tage werden? Alleine Reisen ist nichts für mich, merkte ich schnell.

Ich lief also erstmal die altbekannte Alameda hoch, nur um vom Fleck zu kommen. Ich setzte mich an der Moneda kurz nieder, um auf der Karte etwas zu finden, wo ich hingehen könnte. Ich hatte keine richtige Erleuchtung und so ging ich erstmal zum Cerro Santa Lucia, noch einmal den Blick über die Stadt schweifen lassen und noch war es kühl genug, um den Aufstieg zu wagen. Der Blick war im wahrsten Sinne atemberaubend, durch den Smog konnte man heute gar nichts sehen, keine Berge, keine etwas weiter entfernten Hochhäuser. Ekelig. Meine Laune sollte nun durch ein Drei Fragezeichen Hörspiel aufgeheitert werden, was ich im Park im Schatten gemütlich hörte, ganz nett, aber zu zweit besser!

Anschließend ging ich zu einem nahe gelegenen Handwerksmarkt, es war aber doch eher Ramsch, was hier verkauft wurde. Im Supermarkt konnte ich mehr Zeit verbringen, bevor ich zurück ins Hostel ging und zu Mittag aß. Ein letztes Mal unser Müsli! Ich fläzte mich kurz ins Bett und schlief auch ein, juhuu, wieder eine halbe Stunde hinter mich gebracht! So war es aber doch etwas deprimierend, und so zog ich wieder durch die Stadt, ziellos, und landete irgendwann in einer Markthalle, wo es ziemlich günstig wahnsinnig viel Obst, Genüse und Käse gab, hier hätten wir mal vorher hinkommen müssen! Ich deckte mich für morgen ein und lief dann am Fluss entlang dem Kauf eines Matebechers entgegen, endlich hatte ich einen schönen und wirklich selbstgemachten gefunden! Ich schaute in einem Park noch ein paar Jongleuren zu, dann war endlich Abendessenszeit. Ich holte mir dort, wo ich im januar meinen ersten Empanada hatte, wieder einen und aß ihn am Cerro Santa Lucia, der zwar noch gut besucht war, wo man sich aber mittlerweile schon beim Sicherheitspersonal registrieren lassen musste.

Im Hostel packte ich dann meine Sachen zusammen und unterhielt mich noch ein wenig mit einer Französin, während unten eine Party tobte. Tag geschafft, Fazit: alleine geht, zu zweit (oder zu dritt) ist´s tausendmal schöner!

 

Mittwoch, 12.04.2017

Wie Chile zur Demokratie kam

Der letzte Campingmorgen brach an. Wir hatten den Wecker extra früh auf 06:45 Uhr gestellt und wir standen auch so um 7 Uhr auf, aber wir waren heute nicht sonderlich schnell im Sachen zusammen packen, Porridge zubereiten (das Gas sollte ja noch leer werden!) und so weiter und so fort. Chris war ziemlich übermüdet, denn sie hatte die Nacht nicht so gut schlafen können, außerdem tat ihr alles weh und sie hatte komische Bauchschmerzen und nicht so viel Appetit. Oh Mann, wo kam das denn her? Jedenfalls schafften wir so nicht den ganzen Porridge aufzuessen und mussten das erste Mal in unserer Geschichte etwas wegwerfen!! Nein!!

Als wir dann doch endlich Abmarsch bereit waren und Richtung Tor liefen, kam unser Begleithund springend an unserer Seite mit dorthin. Äh, also freute er sich jetzt, dass wir endlich gingen oder wollte er verhindern, dass wir das Gelände verließen? Hm, das Blöde war, dass er mit durch das Tor schlüpfte als wir gehen wollten, so mussten wir noch mal zurück gehen und ihn auf das Campinggelände locken. Dann gingen wir rückwärts wieder raus und schlossen das Tor mit dem Hund drin und uns draußen. Geschafft! Tschüss, Hundi! Wir gingen also die Straße runter zur Bushaltestelle. Keine zwei Minuten später rannte jedoch unser Hund an uns vorüber, hä?, wie war er denn jetzt rausgekommen? Wahrscheinlich gab es irgendwo noch ein Schlupfloch im Zaun. Wir waren allerdings auch schon Vergangenheit, er beschnupperte bereits eine Passantin.

Der Bus kam bald und wir hievten uns mit dem Gepäck hinein. Einmal quer durch Olmué und schon waren wir wieder an dem Park, an dem wir vor zwei Tagen angekommen waren. Zum Glück fuhr gerade ein Pullman-Bus ein, sodass wir den Fahrer befragen konnten, wann der nächste Bus Richtung Santiago ging und wo wir unser Rückfahrtsticket confirmen lassen konnten. Er gab uns Auskunft, stieg dann in seinen Bus und setzte seine Reise fort, während wir einmal ums Eck liefen und dann in ein rotes Häusle, wo Pullman eine Niederlassung hatte. Tickets wurden bestätigt, Wartezeit bis zur Abfahrt noch über eine Stunde, also setzten wir uns auf die blauen Plastikstühle und vertrieben uns die Zeit mit den Drei Fragezeichen. In Ruhe konnten wir das Hörspiel leider nicht genießen, denn eine blöde kleine Katze streunerte die ganze Zeit um unsere Beine und hatten einen Spaß nach den Schnüren der Rucksäcke zu springen oder auch mal nach dem Kopfhörer-Kabel. Ein beliebtes Ziel schien auch Violas Chillerhose zu sein, die ja nun leider nicht aus dem aller reißfestesten Stoff gemacht war. Naja, der Schreckensschrei wie bei der Tarantel war vielleicht nicht so angebracht gewesen, aber Katzen sind nun mal nicht ganz ungefährlich!

Um 11:25 Uhr kam unser Bus und es folgte die Rückfahrt nach Santiago, die Chris hauptsächlich dösend und Viola Blog schreibend verbrachte. Es waren eigentlich auch keine besonderen Vorkommnisse zu vermerken bis auf ein “Krrrrrrrrrzzschhhh” als wir unter einer Eisenbahnbrücke durchfuhren, die wohl etwas zu niedrig gewesen war. Ehm, ja, ne, war der Busfahrer ne neue Strecke gefahren oder war der Bus über Nacht gewachsen? Jedenfalls passten wir hier definitv nicht drunter durch und setzten daher langsam den Rückwärtsgang ein. Okeeee, das würde Ärger geben. Während wir so durch den Speckgürtel der Stadt voran gurkten beobachteten wir weitere kleine Unfälle auf den Autobahnspuren neben uns. Ein kleines Auto zog von rechts auf die linke Spur und wurde dabei von einem LKW gestreift, der schon auf der Spur gewesen war und das dazukommende Auto wohl nicht gesehen hatte. Hm, blöd, aber anhalten und meckern ging auch schlecht, hier auf der stark befahrenen Strecke. Autofahren war in Santiago nichts für Menschen mit schwachen Nerven.

Angekommen, mussten wir erst mal die Metrostation Estacion Central suchen und eine gefühlte Ewigkeit Metro fahren, die mal wieder voll, heiß und stickig war. Ihh, bloß nicht die Festhaltestangen anfassen!! Bellas Artes hieß unsere Station, wo es dann wieder raus ging und von dort war es zum Glück nicht mehr weit bis zum Hostel. Wir würden unsere letzte Nacht im “Santiago Backpackers” verbringen, wo Chris auch ihre erste Nacht vor ca. 7 Wochen hatte. Back to the roots und so. Der Rezeptionist war zwar kein Franzose, aber trotzdem sehr verwirrt bzw. verwirrend, denn er nannte uns falsche Preise und andere Zimmer, bis sich beim Bezahlen rausstellte, was er wirklich meinte. Oh Mann, naja, aber endlich waren wir angekommen! Passenderweise bekamen wir das Zimmer Valparaíso, das Chris damals hatte und sogar das gleiche Stockbett. Außer uns war nur noch ein anderes Bett belegt, das würde also entspannt werden. Chris brauchte jedoch erst mal eine Pause und legte sich kurz hin. Da wir heute ins Museo de la Memoria y los Derechos Humanos gehen wollten und dieses schon um 18 Uhr schließen würde, machten wir uns jedoch bald wieder auf die Socken. Also wieder rein in die Metro und an der Station Quinta Normal wieder raus. Und da ragte es auch schon vor uns: ein mit Kupfer ummanteltes Gebäude auf einem mittelgroßen Platz. Wir hatten jetzt noch zwei Stunden Zeit und legten daher auch direkt los.

Das Museum behandelt die Zeit der Pinochet-Diktatur in Chile und geht auch generell auf Verletzung der Menschenrechte ein. Auf der Ebene -1 beginnt man mit Tafeln zu vielen Ländern, auf denen drauf steht, wann es Untersuchungskommissionen gab, welche Zeit und Geschehnisse aufgearbeitet worden waren und was die Ergebnisse daraus waren. Bei Deutschland stand was zur DDR und der STASI. Leider war alles nur auf Spanisch und da wir beide eh nicht so auf der Höhe waren, musste man sich sehr anstrengen, um was zu verstehen, außerdem konnte man sich nicht hinsetzen! Über den Tafeln an der Wand hingen Fotos von Menschen aus aller Welt, die gefesselt und geknebelt waren, verhüllte Leichen, Kinder auf der Straße, Menschen mit Gewehren. Ziemlich bedrückend. Wenn man weiterging, kam man zu weiteren Tafeln, die die einzelnen Denkmäler in Chile behandelten. Da wir davon jedoch keines wieder erkannten, gingen wir relativ schnell daran vorbei zur nächsten Etage.

Ebene 1 beginnt mit dem 11.September 1973 als Augusto Pinochet durch einen Militärputsch erfolgreich an die Macht kommt und der amtierendere Präsident Salvador Allende ein letztes Mal zum Volk spricht und später Selbstmord begeht. An einer Zeitleiste werden die stündlichen Geschehnisse beschrieben und darunter läuft ein Film mit Videoausschnitten von dem Tag. La Moneda, der Präsidentenpalast, wurde schon früh morgens bombardiert und das im Auftrag von Politikern, die am Tag vorher noch ihre Loyalität zur Regierung versprochen haben. Allende war zwar nicht der Star gewesen, da er mit seiner marxistischen Politik die Wirtschaft runtergehandelt hatte und die Leute Hunger litten, jedoch sah man in den Videos, dass er dennoch Anhänger hatte und in seiner Rede bedankt er sich für die Loyalität der Menschen und macht Hoffnung auf eine bessere Zeit, die nach diesen bitteren Tagen irgendwann kommen wird. Er sagt auch, dass sein Opfer nicht umsonst sein soll, sondern erinnern wird an diesen Vertrauensbruch und das Hintergehen des Staates.

Wir gingen weiter und versuchten die Beiträge zu verstehen, die die politischen Gefangenschaften, Folterungen und Hinrichtungen behandelten. Es gab viele persönliche Gegenstände zu sehen, die die Menschen in den Gefängnissen hergestellt hatten, um nicht komplett die Hoffnung zu verlieren und um ihre Emotionen zu verkörpern. Auch Briefe von Kindern konnte man lesen, zum Beispiel von einem Mädchen, das die Frau von Pinochet höflichst darum bittet ihre Oma sehen zu dürfen, da sie in Gefangenschaft sei und sie sie deshalb schon einige Monate nicht hatte sehen können. Kinder von politisch Gefangenen wurden wohl auch zu anderen Eltern gegeben, die sie im Geiste der neuen Regierung erzogen, jedenfalls hat uns das ein deutsches Mädchen so übersetzt, die mehr Spanisch sprach als wir. Das klingt alles ganz schön hart und ist zudem noch gar nicht so lange her.

Die letzten Minuten verbrachten wir auf der Ebene 2, wo es um das Verlangen nach Gerechtigkeit geht. Die Menschen wehrten sich gegen die Diktatur von Pinochet, der vorgegeben hatte nur so lange zu regieren bis es eine neue demokratische Regierung geben würde, dann aber zum Diktator geworden war. Viele Menschen wurden vermisst, dazu gab es Plakate mit deren Fotos und der Aufschrift “Donde éstan?”, also “Wo sind sie?”. Im Museum gab es eine Sitzbank, die mit Kerzenartigen Lichtern umgeben war und von der man die Bilder auf der Wand gegenüber anschauen konnte. Dort hingen nämlich auch Fotos von Vermissten oder Toten. Sowohl andächtig als auch bedrückend.

Das Ende der Ausstellung und damit die Dokumentation über das Ende der Diktatur mit der Volksabstimmung 1988 konnten wir uns leider nicht mehr anschauen, vorher wurden wir vom Aufseher hinaus zitiert, da das Museum nun zumachte für heute. Wir nahmen also die Eindrücke mit nach draußen und planten, den Rest im Reiseführer noch mal nachzulesen.

Nun ging es zurück zum Hostel und vorher noch auf einen kurzen Abstecher zum Supermarkt. Wir liefen zuerst in die falsche Richtung, sodass sich unser Spaziergang direkt noch etwas länger zog, aber naja, was waren die paar Zusatzkilometer schon im Vergleich zur Wanderung gestern? Bei unserem Obst- und Gemüsestand in der Nähe der Plaza der Armas bekamen wir übrigens schon wieder was geschenkt für unseren Einkauf. Dieses Mal eine Paprika und für jeden eine frische Feige! Echt nett!

Im Hostel brauchte Chris erst mal wieder eine Ausruhpause, während Viola im Reiseführer las, danach packte Chris ihren Rucksack um und wir konnten mit dem Abendessen machen beginnen. Es gab ein letztes Mal unser berühmtes Backpacker Curry, das heute echt lecker schmeckte! Marco, du hast was verpasst! Zum Nachtisch bekam jeder noch einen halben Apfel. Wir luden noch die aktuellen Blogartikel hoch, Chris überprüfte noch einmal die Reisezeiten für den Flug und dann machten wir uns auch schon auf in die Heia, ein letztes Mal zu zweit für diese Reise. Es waren keine neuen Zimmernachbarn dazu gekommen, das Fenster stand offen und angenehm kühle Nachtluft durchströmte das Zimmer. Gute Nacht, Santiago, buenas noches!

  Ein letztes Mal Porridge!!  Unser Hundi

Dienstag, 11.04.2017

Wir wandern auf Darwins Spuren

Großes war geplant für den Tag, und so wollten wir früh aufstehen umpünktlich im Nationalpark anzukommen. Wir schafften es sogar uns um halb acht zum Sonnenaufgang aufzurappeln, anzukleiden und unser Müsli zu essen. Wir verließen den Campingplatz und machten uns auf den Weg zum Eingang des Parks, was auch bereits eine Wanderung von einer halben Stunde stetigen Bergaufgehens bedeutete. Da waren wir ja jetzt schon gut eingelaufen.

Wir zahlten den Eintritt, bekamen eine Einweisung des Parkwächters und durften dann losmarschieren. Das Ziel war von Anfang an im Blick, der Gipfel des Cerro la Campana, 1450m über uns gelegen, also hatten wir gut was vor uns. Der Weg war recht gut, es ging mal mehr mal weniger steil bergauf, und unser Anspruch auf eine lange Mittagspause, die uns nur vergönnt sein würde, wenn wir uns einigermaßen beeilten – man musste nämlich spätestens um 14 Uhr absteigen – spornte unsere Beine an, nicht ganz so schnarchnasig den Berg zu erklimmen. Marco wäre stolz auf uns gewesen!

Die ersten 400 Höhenmeter brachten wir so erstaunlich schnell hinter uns und schon bot sich eine schöne Aussicht über Olmué und die umliegenden Hügel. Die Sonner versteckte sich noch hiner unserem Berg und so erleichterten angenehme Temperaturen das Wandern. Die nächsten gut 400 Höhenmeter brachten uns zu einer kleinen Mine, in die man leider nur reinschauen durfte, also nicht so wahnsinnig interessant, es wurde nicht einmal klar, was hier damals abgebaut wurde. Eine Pause machten wir hier also nicht, sondern widmeten uns dem nun folgenden deutlich steileren Teil. Wir schnauften schon etwas mehr, als wir am Darwin's Point ankamen und uns die Inschrift der angebrachten Plakette durchlasen, leider inmitten von doofen Grafittischmierereien, was mussten die Leute überall ihre Namen hinkritzeln, auch an einem so denkwürdigen Ort? Charles Darwin hatte 1834 auf seiner Weltreise auch in Valparaiso einen Stopp gemacht und war genau diesen Weg gegangen, den wir heute bestritten. Für uns als eingefleischte Darwin-Fans (wir vermissen die Museumsgänge unserer Jugend!) war das Wandels auf seinen Fußspuren natürlich ein besonderes Erlebnis! Wir hätten den Darwin's Point jedoch an den weitaus schöneren Gipfel verlegt, den wir nach den kräftezehrenden letzten 400 Höhenmetern Kletterei über Stein und Fels glücklich erreichten. Nur 3,25 Stunden hatten wir gebraucht, und waren so als erste von allen Wanderen hier oben. Uns bot sich ein wundervolles Panorama, genau wie Darwin es beschrieben hatte, im Osten die Anden, prominent herausstechend der Aconcagua, Südamerikas höchster Berg, im Westen unter Wolken verdeckt der Pazifik, dazwischen viele kleine Bergketten mit leichten Nebelschwaden dazwischen. Wundervoll, zum Abschied vom Land nochmal so einen umfassenden Blick zu haben!

Nun war aber erst einmal Mittagessenszeit, wir setzten uns in die Sonne (Schatten gab es eh nicht), sonnten unsere Beine und verspeisten unsere Brote, wie froh wir waren, so schnell nach oben gekommen zu ein und nun 1,5 Stunden Pause zu haben! Wir hatten gerade aufgegessen, da kamen zwei weitere Wanderer an. Unsere die Einsamkeit suchenden Seelen waren zunächst nicht so entzückt, aber als die beiden Herren dann zu uns kamen, gut Englisch sprachen und äußerst nett wirkten, verflog unsere unsoziale Seite schnell und wir kamen ins Gespräch. Mit lobenden Worten über unsere Fitness brachten die beiden uns sofort auf ihre Seite, als sie sich dann als Darwin-Fans entpuppten, die sogar sein Buch extra hier mit hoch gebracht hatten, mochten wir sie noch mehr. Für sie war es auch ein besonderes Erlebnis hier zu sein, sagten sie, vor Allem für Andrès, dies sei sein erster freier Tag seit Jahren, er ist der frühere Verkehrsminister von Chile und hatte vor zwei Wochen eben diesen Job aufgegeben. Äääh, kurze Überflutung der Reize, huch, was sagt man denn da? Da standen wir hier, ekelig stinkend verschwitzt, unsere Käseschuhe direkt unter ihren Nasen auf diesem tollen Gipfel uns dann lief vor uns im sportlichen Outfit ein Minister umher? “Congratilations!”, war unsere kurz überforderte Reaktion, und das war wohl auch die richtige. Puh! Wir genossen gemeinsam mit ihnen den Ausblick, bekamen Studentenfutter von ihnen ab, und hörten viele spannende Stories, die beiden hatten echt viel zu erzählen. Juan, der andere der beiden ist Professor an der katholischen Universität in Santiago, witzig, was für Menschen man beim Wandern trifft! Seinen Ur-ur-ur-ur-Großvater konnten wir sogar in einer Zeichnung im Buch Darwins sehen, er war einer der ersten Engländer, die in Valparaiso ankamen. Wir erfuhren von ihnen noch viel über Darwin und die einzelnen Berge der Anden, machten Fotos von ihnen und sie von uns, und lauschten Andrès, als er ein Kapitel aus Darwins Buch vorlas, zwar auf spanisch und wir verstanden nichts, aber eine schöne Atmosphäre war es trotzdem. Zwischendurch schaute noch ein Fuchs vorbei, und dann war die Zeit hier oben auch leider schon wieder vorbei. Sie bedankten sich bei uns für ihrer Rettung, denn wir hatten ihnen einen Teil unseres Wassers gegeben, denn ihres war fast leer, wir für die angenehme Gesellschaft und dann ging es wieder bergab.

Der Weg hinab war zäh und zermürbend, doch wir schnatterten ununterbrochen, noch ganz erfüllt von dieser wunderbaren Begegnung auf dem Gipfel. Schon wieder hatten wir so nette menschen getroffen! Sie hatten uns sogar angeboten mit ihnen zurück nach Santiago zu fahren, doch leider hatten wir ja schon unsere zweite Campingnacht bezahlt. So ging es weiter und weiter den Berg runter, bis Viola plötzlich erschrocken zur Seite sprang! Huch,w as war das denn pelziges zu ihren Füßen? Neugierig schauten wir hin, eine Spinne, braun, groß, haarig, war das nun endlich die Tarantula, die Marco immer gesucht hatte (spätere Recherchen ergaben, ja!)? Cool sah sie aus, und ließ sich brav von uns filmen, bis sie genug hatte und plötzlich in Windeseile auf uns zustürmte. Wir gilften einmal kurz auf und rannten höchst heroisch vor ihr weg, ach sind wir leicht einzuschüchtern!

Kurz vor Schließung des Parks kamen wir unten an und konnten uns bei den Rangern abmelden und den Weg nach Hause antreten, welcher weiter war als gedacht und durch die Anwesenheit einer kleinen Schlange noch gepimpt wurde.

Völlig verschwitzt kamen wir am Campingplatz an, und rissen uns die Klamotten vom Leib, schließlich musste noch der Pool getestet werden, welcher uns vom Besitzer so angepriesen wurde. Da der Campingplatz momentan ja egentlich nicht genutzt wird, war er nicht ganz sauber und vor Allem kalt, aber Chris traute sich als erstes sich in die kühlenden Fluten zu stürzen, Viola folgte etwas später. Was für eine Erfrischung! Eine heiße Dusche danach hätte gut getan, doch die kalte tat's auch und so konnten wir kurze Zeit später sauber mit dem Kochen beginnen, Nudeln mit Spargelsuppensoße und teurem Thunfisch, nur dieser hatte einen Öffnungsmechanismus, den wir bezwingen konnten. Während des Kochens plötzlich lautes Hundegebell, und der Besitzer kam mit seiner Hundeherde an. Ein kurzer Check, ob alles in Ordnung sein, dann war er wieder verschwunden, die Hunde jedoch blieben. Entweder um unseren Tisch gescharrt oder laut Bellend in Kämpfe mit den Nachbarshunden verwickelt, ganz schön anstrengend! Hoffentlich würde das nicht die ganze Nacht so gehen. Sie tuschten zwar an, niedlich zu schlafen, doch diese trügerische Ruhe währte nie lange, aber wir hoffen das Beste.

Wir zogen uns so schnell ins sichere Zelt zurück, hörten noch Drei Fragezeichen und schliefen dann ein.

  Wolkenschwaden durchziehen die Bergketten Gipfelstürmer sind da! Direkt hinter uns der Acongua-höchster Berg Südamerikas Ein Ein Auf dem Weg runter wieder über die Steinhaufen So ein schöner Tag! TarantulaPoolparty? Jaaaaa!

 

Montag, 10.04.2017

Raus aus dem Smog

Nach einer nicht ganz langen Nacht, dafür aber ohne Hundegebell, erwachten wir am Morgen und während die Hälfte des Zimmers noch döste, machten wir uns auf zum Frühstück. Uiii, das sah wirklich gut aus!!! Es gab Brötchen, die man auf ein Röstband legen konnte und dann kamen sie getoastet wieder raus. Dann drei Sorten Müsli, gekochte und rohe Eier so viel man wollte und ebenfalls allerlei Sorten Obst. An den Tischen waren schon zwei verschiedene Sorten Marmelade und Dulce de leche aufgetischt, auch ein Block Butter stand parat. Für Kaffee und Tee war natürlich auch gesorgt und das Tolle war, dass es nicht nur schwarzen Tee gab, sondern auch Kräutertees. Wir ließen es uns gut gehen, stopften so viel in uns rein wie es ging und ein paar Eier und Obst wanderte in die Jackentaschen.

Unser Gepäck konnten wir zum Glück kostenlos im Hostel lagern und nur mit einem Daypack geschultert ging es los zur Touri-Info. Die hatten zwar letztes Mal keinen Plan gehabt als wir was zum Maipotal wissen wollten, aber sie hatten trotzdem eine zweite Chance verdient, sehr motiviert und kompetent waren sie heute auch nicht und so ging es weiter zum Conaf Büro. Da bekamen wir die Info, dass Zelten im Park nicht möglich war (wussten wir ja schon) und stattdessen gab es dann die Adresse von einem Campingplatz in Olmué namens El rincón de la campana. Der hatte wohl noch offen trotz off-season. Ok, ja, damit hatten wir alles was wir brauchten. Mit dem Bus konnten wir auch direkt nach Olmué fahren und mussten nicht erst nach Vina del mar wie es noch im Reiseführer hieß, zum Glück, das sparte nämlich Zeit.

Nun wollten wir noch ein bisschen durch die City laufen bis es nachmittags gen Nordwesten gehen sollte. Wir kamen an ein paar Straßenständen vorbei, wo Chris nicht widerstehen konnte und einige Mitbringsel einkaufte. Wir besuchten kurz den Mercado Central, wo vor allem Fischmärkte und -restaurants zu finden waren, auch die teure King`s Crab wurde hier angeboten. Danach machten wir uns auf den Weg zum Cerro San Cristóbal, wo wir einen Funicular (Aufzug) nach oben nahmen. Dort oben hatten wir einen Blick auf die Stadt, die unter einer braunen Smogwolke lag, igitt. Zu einer anderen Seite konnten wir auch die Anden sehen, die deutlich schöner aussahen. Ganz oben auf dem Gipfel unseres Berges trohnte eine Statue des Heiligen, hier war auch ein Ort zum Beten.

Chris kaufte sich noch einen Empanada und wir machten Mittagspause, natürlich wieder mit Avocadobroten. Wir bewunderten die paar Leute, die hier ab und an verschwitzt mit ihren Fahrrädern ankamen, wie hatten die es hier nur geschafft hinaufzuradeln?! Nach der Fütterung der Löwen fuhren wir wieder hinunter und gingen zurück zum Hostel, wo wir unser großes Gepäck wieder an uns nahmen und mit der Metro zur Estacion Central tingelten. Unsere tolle Touri-Dame hatte leider alle möglichen Abfahrstationen getextmarkiert und so wussten wir nicht wirklich wo wir hin mussten, standen daher etwas verloren mit Reiseführer und GPS auf dem Handy in der Gegend herum, während Menschenströme an uns vorüber zogen. Was für ein Getümmel. Plötzlich wurden wir von einem jungen Mann angesprochen, ob er uns helfen könne. Oh, wie nett!! Es war ein Argentinier und er war schon seit 10 Uhr unterwegs, weil seine Mutter ihn zum Shoppen verdonnert hatte. Naja, trotzdem war er immer noch nicht zu müde oder genervt, um uns persönlich zum riesigen Busterminal zu bringen, wo wir auch damals angekommen waren. Er meinte, die Gegend sei nicht so gut, vor allem nicht als Touri. Wow, wie lieb, dass er sich so um uns kümmerte ohne uns zu kennen! Wir kauften unsere Bustickets nach Olmué und zurück und er klärte alles am Schalter für uns, ein Glück, dass er richtig gut Englisch konnte. Wir mussten dann noch mal zu einem anderen Terminal, wohin er uns natülich auch hin eskortierte. Wir bedankten uns noch mal ganz doll und verabschiedeten uns dann. Der Bus kam bald und es begann eine ca. zweistündige Fahrt. Ganz knapp schafften wir es an unserer Station auszusteigen und standen dann da im Dunkeln an einem Park. Hm, ok, Viola hielt ein Collectivo an und dieses brachte uns zu unserem Campingplatz. Wir standen zunächst vor einem geschlossenen Tor, doch Chris rief beim Besitzer an, der dann auch schnell auftauchte und uns ein kurzes Briefing gab. Joa, sah ganz gut aus so auf den ersten Blick. Wir bezahlten für zwei Nächte und er fuhr auf seinem Motorrad wieder weg, gefolgt von seiner bellenden Hundeschar. Wir machten Abendessen (Reis mit Zucchini und Spargel-Champignon-Soße) und gingen dann bald schlafen.

  Auf dem Weg zum Cerro San Cristobál Und hoch geht`s! Hm, lecker brauner Smog Statue vom San CristobálZwei Flamencotänzer auf der Plaza de Armas Tadaa! King`s Crab im Mercado central Fisch soweit die Nase riecht

 

Sonntag, 09.04.2017

Eis vom Feinsten

Auch heute waren wir wieder recht langsam und gemütlich am Morgen, Frühstück im Bett inklusive. Chris gönnte sich sogar noch eine lauwarme Dusche, dann ging es ans Zelt einpacken, wir hatten jetzt ja eigentlich im Cajón del Maipo alles gesehen, was möglich war, und da der Campingplatz jetzt auch nicht so berauschend war, dass man hier noch ewig rumchillen will, entschlossen wir zurück nach Santiago zu fahren und dann eventuell weiter in den Nationalpark la Campana, gelegen zwischen Santiago und Valparaiso und empfohlen von unserem damaligen Free Walking Tour Guide.

Nachdem alles gepackt war, unseren Vermieter trafen wir leider nicht mehr an, ging es hinunter ins Tal, wo wir noch Brot und Obst kauften und den Bus an uns vorüberziehen sahen. Da es hier keine geregelten Abfahrtszeiten gibt, beziehungsweise keine, die sich uns erschließen, versuchten wir während des Wartens in den nächsten Ort zu hitchhiken, von wo aus mehr Busse fahren. Wir waren schnell erfolgreich, eine Taxifahrt konnten wir so gerade noch abwehren und fanden uns somit bald bei einem Unternehmer aus Santiago im Auto wieder. Er kommt jeden Sonntag ins Maipotal, um sich hier von der Stadt zu erholen. Sehr nett, er brachte uns bis Santiago, dort musste er ja eh hin, und das ging schneller als mit dem Bus. Wir durften von seinem Handy aus sogar Informationen über den angepeilten Nationalpark einholen. Leider schlechte Nachrichten, Camping wurde wohl wegen Wasserknappheit im Park seit Januar verboten, so richtig an Informationen gelangte man aber leider nicht.

Diese wollten wir in Santiago in der Zentrale von Conaf, der Organisation, die für die Nationalparks verantwortlich ist, einholen. Wir setzten uns also in Santiago in die Metro und fanden bald die Zentrale, leider verschlossen. Hier war Sonntag wohl auch Ruhetag... Mist. Eigentlich wollten wir heute noch dorthin fahren. Wir aßen also erstmal zu Mittag, köstliche Avocadobrote wie eh und je.

Bevor wir uns auf den weiten Weg zu den Busstationen machten, wollten wir uns im Internet etwas informieren, gelobet sei Eduroam, das Internet der Universitäten, somit konnten wir bei der nahegelegenen Universidad de Santi ago Wifi zapfen. Puh, eine zähe Informationssuche war das! Sie wendete sich schließlich der Hostelsuche zu, da sich keine sinnvolle Möglichkeit ergab, wie wir den mehrtägigen Ausflug zu dem Nationalpark unternehmen sollten. Ein Hostel gefunden, wanderten wir eine ganze Strecke durch Santiago in das Barrio Providencia, wo wir im Hostel eincheckten, schnell unsere Sachen verstauten und uns wieder auf den Weg machten. Es war schon früher Abend und wir streiften zum Sonnenuntergang ein wenig durch das Ausgehviertel Bellavista, wo trotz Sonntagabend der Bär steppte! Wir checkten für unseren Abschiedsabend am Mittwoch schonmal einige Lokale aus, und probierten zum Schluss noch einen completo italiano, ganz lecker, trotz Münze in der Soße. Eigentlich wollten wir nun nach Hause und kochen, aber ein Weinchen wollten wir uns gönnen, also suchten wir noch einen Supermarkt. Fanden wir nicht, dafür aber das Emporio de la rosa, eine der 25 weltbesten Eisdielen! Ohh, wir bekamen Stielaugen beim durch die Scheibe schauen, und so investierten wir das Weingeld in Eis um. Eine Entscheidung zu treffen war schwer, doch der junge Verkäufer hatte uns direkt durchschaut, er wusste, dass wir nur genug probieren mussten, um alles haben zu wollen. Wir durften so eine Sorte nach der nächsten probieren, eine besser als die andere. Es kristallisierten sich aber nach geraumer Zeit doch Favoriten heraus, und so hatte Chris die Sorten Honig, Orange-Ingwer und Schokolade-Orange, Viola auch die ersten beiden und Bitterschokolade. Ein wahnsinniges Geschmackserlebnis, so unfassbar fruchtig und intensiv, ein Hochgenuss! Wir waren glücklich, wie wir so auf unserer Bank saßen und Eis schleckten. Ein Abendessen brauchten wir nun nicht mehr und zurück im Hostel nutzten wir so nur noch den Wohnraum zum Blog aktualisieren aus und kletterten dann in unsere Hochbetten.

  Im Sonnenuntergang zum Barrio Bella Vista

 

 

Samstag, 08.04.2017

Mit Ponchos zwischen chilenischen Schneeflocken

Obwohl wir bereits seit vielen, vielen Stunden im Zet lagen, sprangen wir morgens nicht gerade voller Elan hinaus, wir nahmen unser Müsli gemütlich im Liegen ein, gammelten noch ein wenig herum und packten dann doch alles zusammen um wandern gehen zu können, die Wasserfälle standen ja heute auf dem Programm. Wir gingen also zum Ausgangspunkt der Wanderung, dort wo wir gestern Zelten wollten, und wurden enttäuscht. Nix mit selber wandern, 7.000 Pesos sollte es kosten, um den doofen 35 min walk zum Waserfall zu gehen. Schließlich brauchte man einen guide, es lagen ja kleine Steinchen auf dem Weg. Soso. Das konnten wir nicht so ganz einsehen. Naja, wir hatten ja noch den Plan weiter oben im Tal einen Nationalpark zu besuchen und dort eine schöne Wanderung zu machen, das könnte man ja auch vorziehen. Doch die traurige Nachricht: der Park war wegen heftiger Regenfällen im Januar geschlossen, na toll. Wieso hatte man uns das nicht in Santiago sagen können, wir hatten extra danach gefragt? Wir zogen uns zum Krisengespräch nach draußen zurück, was sollten wir tun? Wir hatten auf eine schöne letzte Woche hier gehofft, mit schöner Landschaft, schönen Campingplätzen und schönen Wanderungen, doch irgendwie wollte dieses Tal uns unsere Wünsche nicht erfüllen. Keine einzige Aktivität gab es hier. Keine! Und wir woltlen doch nur IRGENDWAS tun... Den kurzzeitigen Plan sofort wieder abzureisen verwarfen wir, wir wollten es mit trampen versuchen und so einfach ein bisschen in der Gegend herum fahren, wenigstens den Stausee Embalso el Yeso wollten wir sehen.

Doch auch das war schwieriger als gedacht, es kamen zwar massenhaft Autos an uns vorbei, aber mitnehmen wollte uns keiner, nichtmal entschuldigende Gesten machten sie. Unsere Stimmung war zwar etwas gedrückt, aber wir wollten uns auch nicht ganz stoppen lassen und so liefen wir zu Fuß das Tal entlang um ein bisschen einen Eindruck zu bekommen und uns etwas zu bewegen. Eigentlich war es echt schön hier, immer wieder konnte man einen Blick auf die verschneiten Gipfel der Anden erhaschen, im Vordergrund gab es farbig gestreifte Berge aus dem vulkanischen Gestein, asugespunkt durch die nahegelegenen Vulkane der Anden. Echt nice, auch Kakteen tummelten sich dazwischen, ab und an konnte man Trauben klauen. Nunja, aber an der Straße langlaufen ist auch nicht unsere Leidenschaft. Also hielten wir weiter den Daumen raus. Und siehe da, wir hatten schon fast nicht mehr damit gerechnet, dass in naher Zukunft jemand anhalten würdel, da stoppte doch tatsächlich ein silberner Geländewagen. Jupiduu! Zwei Chilenen, eine Kolumbianerin und ein Italiener saßen drin und fragten nach unserem Ziel. Romeral hieß der Ort, von dem aus es zum Stausee ging. Kein Problem, meinten sie, wir sprangen auf die Ladefläche und los ging die Fahrt. Wow, ganz schön flott! Aber was für einen herrlichen Panoramablick wir auf die Berge um uns herum hatten, ein Traum! Einmal fuhr unser Fahrer über einen Geschwindigkeitshubbel, etwas zu schnell, denn wir flogen ein Stückchen durch die Luft und landeten unsanft. Es tat aber nicht sehr weh, jedenfalls nicht mehr, als wir es lustig fanden. Besorgte Blicke von den Innensitzenden zu uns, wir gaben Zeichen, dass alles ok war. Zwischendurch fuhren wir so manches Mal an einem Polizeiauto vorbei und wir fragten uns wie legal es war, auf der Ladefläche mitzufahren, aber da uns niemand folgte, war es wohl nicht so illegal. Nach 12 km erreichten wir unsere Abzweigung, wir wurden jedoch gefragt, ob wir noch weiter mitfahren wollten. Wir dachten uns: Warum nicht? Und hopsten zurück auf unsere Stammplätze. Als Hinternabfederungswerkezug erhielten wir einen dicken Poncho, der tatsächlich einen gewissen Sitzkomfort bot. So wurde die Fahrt fortgesetzt und wir staunten weiterhin über dieses wunderschöne Tal, das wir um ein Haar hätten links liegen lassen. Nach einiger Zeit erreichten wir einen Wasserfall, wo wir Halt machten. Man hatte von hier schon die ersten Blicke auf einen hohen Vulkan, den Volcán San José, ein fast 6.000er. Schnee lag auf den Andenbergen in der Ferne, das konnte man sich gar nicht vorstellen, hier schien die Sonne und der Herbst verdrängte nach und nach den heißen Sommer. Wir freuten uns schon darauf, gleich näher an die Schneeberge zu kommen, jetzt kletterten wir erst mal auf Felsen hinterm Wasserfall und beobachteten das Hinabfallen der Wasserströme. Schon nice!

Wir setzten bald die Fahrt fort und die Straße wurde zunehmend schlchter, ein Glück, dass wir in einem 4WD unterwegs waren, da war kein Loch und keine Schlammpfütze ein Problem, unser Fahrer schien daran sogar besonders Spaß zu haben. Bei uns wurde es so langsam kalt draußen, kein Wunder, wir gewannen schließlich an Höhe und um uns herum war Schnee zu sehen! Übrigens waren die Berge sehr farbenfroh: grün, lila, braun und dann noch das Spiel mit dem Sonnenlicht machte die Aussicht zu was ganz Besonderem. Unser Ziel war das Ende der Straße und damit das Ende des Tals. Hier befanden sich die Banos de Colinas, eine heiße Quelle in den Bergen mit Aussicht ins Tal (wahrscheinlich, wir waren nämlich nicht oben, kostet halt Geld). Wir parkten auf dem Weg vor der Schranke und das Lunch wurde ausgepackt. Wir kamen gar nicht so recht dazu unser Essen zu essen, da wir neben dem heißen Tee auch noch mit Ziegenkäse vom Laib versorgt wurden! So eine Delikatesse! Wir machten noch ein Fotoshooting in Ponchos vor einer chilenischen Flagge und Schnee in den Händen, danach machten wir uns auch bald auf den Rückweg, es war schließlich noch ein ganzes Stück. Wir kuschelten uns in die Ponchos, in die wir gehüllt worden waren und machten es uns auf der Ladefläche bequem. Es fing an zu schneien, was wir eigentlich ganz cool fanden, trotz frierender Hände, den Reisenden erschien es jedoch als zu fahrlässig uns draußen sitzen zu lassen und so wurden wir neben Natalia und Enrico auf die Rückbank gequetscht, wobei eine von uns immer nur mit einer Poback auf dem Polster saß, naja, immerhin konnten wir so nicht mehr durch die Luft fliegen und es war warm. So kurvten wir zurück ins Tal und als wir in Romeral waren, bogen wir zu unserem Erstauen auf die 25 km lange Schotterpiste zum Stausee El Yeso ab. Oh wow, da ging es jetzt sogar auch noch hin! Mittlerweile hatten wir herausgefunden woher sich die vier kannten. Das Paar (Natalia und Enrico) hatte Nico auf einer Party kennengelernt und er hatte ihnen angeboten ihnen das Tal zu zeigen. Der andere Chilene war ein Freund von ihm und auch heute dabei, er kannte das Paar aber eigentlich auch nicht, d.h. Wir waren hier bei ihrem ersten gemeinsamen Ausflug dabei, so nett, dass sie uns überhaupt mitgenommen hatten!!!!

Der Stausee war riesengroß, er beherbergt 253 m^3 Wasser und stellt 70 % der Wasserversorgung von Santiago. Gerade läuft ein Projekt, das “Alto Maipo” heißt, bei dem wohl Wasser von Flüssen aufgestaut werden soll, um als Wasserkraft genutzt zu werden. Die Einwohner des Tals sind jedoch dagegen und protestieren gegen den Regierungsentscheid. Merkwürdigerweise kommen viele Touris hierher, um den künstlichen See zu sehen, der bei den Einheimischen aber eher kritisch gesehen wird, da es einen Eingriff in die Natur bedeutet. Nichtsdestotrotz sah es schon beeidruckend aus und wir fuhren natürlich auch ganz bis zum Ende durch, wo noch mal eine kleine Pause eingelegt wurde. Es wurden Kekse rumgereicht und so gut es ging, der tosende Wind ignoriert, der einem ums Näschen pfiff. Uiiii....kalt!!

Auf dem Rückweg trafen wir unterwegs auf eine Kuhherde, die von den Gauchos durch die Gegend getrieben wurden, das sah cool aus, da die Reiter auch alle Ponchos trugen uns so richtig ländliche Stimmung aufkam. Unser Fahrer versuchte auch Konversation mit einige Tieren zu führen, diese antwortetn jedoch nicht. Später liefen auch noch Ziegen und Pferde über den Weg, hei, das war ja wie bei Heidi. Kurz vor unserem Heimatdorf nahmen wir noch einen Geheimgang durch einen Tunnel, wobei immer wieder gaaaaaanz zufällig die Autoscheinwerfer ausgingen, wir zitterten kurz, doch dann war auch schon wieder Licht an uns Natalia bezeichnete Nico als “stupido”, sie fand das also nicht ganz so amüsant. Naja, jedenfalls machten wir extra noch ein Fotopäuschen, damit wir nochmals ins Tal schauen konnten und legten dann die letzten Kilometer nach San Alfonso zurück. Wir wurden natürlich quasi bis zur Haustür gebracht, artig bedankten und verabschiedeten wir uns, Chris überlegte sich noch einen grammatikalisch falschen Dankeschön-Satz, der aber wohl trotzdem verstanden wurde und mit abermals “Gracias por todo!” winkten wir unseren wunderbaren Reisepartnern zu, die langsam die Fahrt fortsetzten.

Als sie außer Sicht waren, gingen wir die Straße noch einmal zurück, denn wir brauchten noch Gemüse fürs Abendessen. Eine Zucchini und nervige Hunde später saßen wir an unserem privaten Picknicktisch und machten Essen: Nudeln mit Tomatensoße, Zucchini, Walnüssen und Schnittlauch. Gar nicht mal so schlecht! Es war schon dunkel als wir ins Zelt krochen und ein Drei Fragezeichen-Hörspiel anmachten. Ach, das war doch noch ein richtig toller Tag geworden! Danke, dass es so nette Menschen gibt!

Auf der Ladefläche des 4WD durch das Maipotal Alle Frauen festhalten! Ein Blick zurück Wasserfall aus einer anderen Perspektive Tropf, tropf... Eben noch Sonne, jetzt Schnee Wenn man genau hinsieht, entdeckt man die Banos de Colina, heißes Wasser für die Seele Wohooo- Schnee, Ponchos, nette Gesellschaft, was will man mehr?! Am Embalse el Yeso laufen Pferde über die Ebene Noch mal aus der Nähe

 

Freitag, 07.04.2017

Ankunft in Cajón de Maipo

Auch in diesem Hostel war das Frühstück inbegriffen, es war wie der Rest des Hostels, lieblos, aber ausreichend, man bekam Brot, Butter, Marmelade, Wurst, Cornflakes, Milch, Kaffee und Tee. Wir waren satt, hatten uns auch ein wenig für den Tag ausgestattet, packten unser Zeug zusammen und checkten aus. Wir wollten es noch einmal bei der Touri-Info von gestern versuchen und trafen dort tatsächlich auch einen hilfsbereichen Helfer, der jedoch auch nichts über das Maipotal wusste, diese Info drehte sich nur um Santiago. Er wies nur auf möglichen Schneefall hin, brrr. Wir mussten also noch weiter durch die Stadt wandern, und kamen schließlich bei einem großen modernen Kulturzentrum an, wo es eine weitere Touristeninfo gab, die sich mehr auskennen sollte. Wir bekamen eine recht lächerliche Karte und spärliche Infos, echt komisch, das Cajón de Maipo soll doch das Haupterholungsgebiet der Santiagoer sein, da muss sich dorch irgendwer dort ein bisschen auskennen?!

Naja, wir wollten es dennoch versuchen, und nahmen so erst die Metro, dann einen Bus in das Tal. Alles klappte wie am Schnürchen und wir fanden uns bald wieder in dem winzigen Örtchen San José de Maipo wieder, glücklich, die Großstadt wieder hinter uns gelassen zu haben. Bevor wir zu unserem eigentlichen Ziel weiterfuhren, machten wir noch eine Mittagspause, geduldig abgewartet von einem sehr vergesslichen Hund.

Ein weiterer Bus brachte uns nach San Alfonso, wo wir campen wollten und von wo wohl ein Wanderweg zu Wasserfällen führen sollte. Wir wurden direkt am Campingplatz abgesetzt, doch wie es sich herausstellte, handelte es sich wohl eher um einen Luxusort, man wollte 15.000 Pesos pro Person haben, das dreifache vom Durchschnittspreis. Ähm ne. Er senkte den Preis auf 10.000, doch auch das sagte uns noch nicht so ganz zu und netterweise rief der Rezeptionist so einen Bekannten an, der einen günstigeren Campingplatz betrieb. Wir folgten der Wegbeschreibung und wurden bald vom Besitzer mit seinem Auto aufgegabelt, alleine hätten wir unsere Rucksäcke wohl auch kaum den Berg und durch die Hundemeute gebracht. Der Campingplatz sah noch nicht so ganz fertig aus, er würde von normalen Reisenden niemals gefunden werden, aber an sich war er ganz nett eingerichtet, hätte es nicht geregnet, hätten wir uns sofort in die Hängematte gefläzt. So bauten wir von Donnern getrieben schnell das Zelt auf, und erkundeten dank besseren Wetters noch ein wenig den Ort, viel gab es nicht zu sehen, aber immerhin ein Schokoladenhaus gab es, natürlich war alles viel zu teuer für uns. Nachdem alles abgelaufen waren, ging es wieder zurück, jedes Mal ein Abenteuer sich auf das von so einigen Wachhunden bewachte Privatgelände zu trauen, die Hunde machten ihren Job gar nicht schlecht.

So gab es bald Abendessen, Reis mit Champignonsoße und Zucchini, ein Klassiker mittlerweile. Aufgepeppt wurde er heute mit einigen gefundenen Walnüssen, ein leckerer Crunch! Um 20:08 waren wir so bereits im Bett, es wird mittlerweile auch deutlich früher dunkel und wir schauten einen Film, “R.E.D.”, nicht wirklich unser Style, aber viel Auswahl hatten wir nicht. So schlummerten wir schon währendessen ein.

 

Mittwoch, 05.04.2017

Auf Wiedersehen, Sonnenschein!

 

Die Erleuchtung kam nicht, lag es vielleicht am Stromausfall, den das Hostel heute Nacht erlitten hatte? Dies führte dazu, dass das Internet am Morgen nicht ging, und wir waren doch extra früh aufgestanden, um weiter zu recherchieren. So gab es erstmal den Frühstücksporridge (dank Gasherd!) und eine weitere Kostprobe der exquisiten Teeauswahl. Als dann das Internet wieder ging, wurde weiter recherchiert, das einzige Ergebnis war, nicht rüber nach Argentinien zu fahren und nicht noch weiter gen Norden, also zunächst zusammen mit Marco zurück nach Calama, da würde man sich an den Busdestinationen nochmal inspirieren lassen können.

Wir packten also alles ein, verließen pünktlich zur Checkout-Zeit den Campground und liefen Richtung Busterminal, natürlich nicht ohne auf dem Weg noch etwas Obst und frische, köstlich aussehende Baguettes zu kaufen.

Die Fahrt nach Calama ließ uns nochmal unsere Blicke über die Cordillera de Sal schweifen lassen, ein schönes Abschiedsbild bot die Wüste uns, bye bye! Noch einmal kurz den Reiseführer aufgeklappt, 10 Sekunden nachgedacht und schon hatten wir die Erleuchtung. Wir würden jetzt schon runter nach Santiago fahren und die letzten Tage der Reise im nahegelegenen Maipotal verbringen, dort konnte man Campen, es sollte sich um eine schöne Weinregion handeln und hohe Berge zum Wandern gab es auch. Juhuu, wir hatten einen Plan!

In Calama hieß es dann also zunächst einmal den weiterführenden Bus buchen. Also verglichen und verglichen wir, beziehungsweise, eigentlich gar nicht in dem Ausmaße, wie wir es sonst taten, wir ließen uns doch recht schnell von einem Angebot überzeugen. Uns waren die Preise ja schon immer recht willkürlich vorgekommen, doch heute bekamen wir den kompletten Durchblick, warum jetzt erst? Man konnte sich einfach Preise wünschen! Nachdem wir bei dem ersten Angebot der Schalterfrau wohl nicht wahnsinnig begeistert aussahen, fragte sie, wie viel Geld wir denn hätten, wir nannten also in großer Verwirrung und unter hohem Druck schließlich eine Summe und schon war der neue Preis gemacht. Mist, wir hätten tiefer ansetzen sollen! Naja, jedenfalls sagten wir zu, wir würden heute endlich mal in der vordersten Reihe oben im Bus sitzen, also mit einem großen Panoramafenster vor uns und noch dazu salon cama fahren, eine Klasse höher als wir sonst fuhren. Bei einer 21-stündigen Fahrt würde sich das sicher lohnen!
Die Vorfreude auf die Fahrt wurde allerdings durch den bevorstehenden Abschied von Marco getrübt, wir hatten nur noch ca. 1,75 Stunden zusammen, die wir für eine letzte Mittagspause zusammen nutzten. Er würde hier heute auf einem Campingplatz schlafen und morgen weiter nach Bolivien fahren. Wir gaben ihm noch einige mütterliche Ratschläge, machten uns schon viele Sorgen um ihn alleine und uns alleine, wie wollen wir nur schlafen können, wenn unsere Zelte nicht mehr direkt nebeneinander stehen, man sich nicht mehr nach dem Schlafoutfit des anderen erkundigen konnte, man kein “Gute Nacht an nebenan” mehr hinüber rufen konnte, Marco nicht mehr alle unsere Fragen beantworten konnte, uns immer einen guten Zeltplatz auf seiner Karte fand, uns weckte, wenn wir aus dem Bus aussteigen mussten... Ok, wir machten uns etwas mehr Sorgen um uns, Marco scheint eigentlich ganz gut gerüstet für die Welt da draußen. Er kann ja schließlich Selbstverteidigung, einen kleinen Crashkurs bekamen wir noch ganz am Ende. Aber dennoch, pass gut auf dich auf, lass dich nicht über den Tisch ziehen, oder von kleinen Frauen im Hostel fesseln, sei hoffentlich nie einsam, genieße deinen Burger heute Abend und habe einfach weiterhin eine wundervolle Zeit! Es war uns eine Ehre mit dir zu Reisen, wir werden unseren Sonnenschein und Empanada-König vermissen, wir hoffen, du hattest auch Spaß mit uns!

Der Zeitpunkt des Abschieds war also gekommen und so schauten wir noch lange dem grünen Rucksack hinterher, wie er langsam (beziehungsweise schnell, nun musste er ja nicht mehr auf zwei jammernde Mädels warten) in der Menge verschwand. Ein bisschen traurig gingen wir so zu unserem Bus und hätten ihn in unserer herumlunger-Laune fast verpasst, doch alles lief glatt und wir stiegen ein. Ohja, der Bus war zwar nicht der neueste, doch die Sitze waren doch deutlich komfortabler und die Aussicht auch top! So krochen wir winzig langsam auf der Kart gen Süden, 1480 km lagen vor uns, puh, das ist ne lange Zeit. Doch ein netter Nachbar, komische Filme, ein gutes Essen (Reis mit Hühnerbein, Rotebeete-Tomaten-Koriander-Salat, ein Brötchen und ein Riegel) und selbstverständlich unsere nette Gesellschaft (nur wo war Marco in der Reihe hinter uns???) verkürzten die Zeit bis zum Schlafen gehen. Eine gemütliche Decke, ein großes Kissen und bettenähnliche Sitze versprachen, dass es gemütlich werden konnte!

 

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